XV

Anfänge des Bergbaus

Bergbaukarte

Wussten Sie, dass in Tarnowskie Góry eine der ersten Bergbaukarten auf der Welt entworfen wurde?

Die Karte wurde vom Bergmeister (heute Steiger) Jan Trapp entworfen. Es war die erste Karte eines Stollens in Schlesien und zugleich eine der ersten auf Welt. Trapp war nicht nur als Kartograf bekannt, da er selbst auch Projekte von Stollen erstellte und den Bau von ihnen beaufsichtigte. Im Jahre 1564 war er für die Bohrung des Jacobi-Stollens verantwortlich. Zwanzig Jahre später wiederum übernahm Trapp die Messarbeiten im Georg-Stollen in Bytom.

Künste

Wussten Sie, dass Paternosteraufzüge früher von Menschen angetrieben wurden?

Am Anfang verwendeten die Bergleute einfache Wellräder mit Eimern, Fässern oder Ledersäcken, um die unterirdischen Korridore zu entwässern. Später wurden aber sog. Wasserkünste erbaut, die mit ihren Maßen heute für Aufsehen sorgen. Zu diesen Künsten gehörten die sog. Pater Noster, also Fahrkünste, die von Menschen angetrieben wurden. Die Bergleute mussten in diesen „Aufzügen” auf den Stufen hochsteigen, wobei dafür eine Zeit vorgesehen war, die dem „Vater unser” entsprach. Die erste Kunst wurde in Tarnowskie Góry von Mikołaj Heindenreich im Jahre 1529 im Schacht „Bóg ojciec” erbaut. Die zweite Kunst stammt aus dem Jahre 1532 und befand sich im Stadtteil Liszcz. Die genaue Lage der Künste ist aber unbekannt.

Pferde im Bergwesen von Tarnowskie Góry

Wussten Sie, dass Pferde in Tarnowskie Góry nie unter Tage arbeiteten?

Unter Tage arbeiteten die Pferde zwar nicht, dafür wurden sie an der Oberfläche zum Antrieb der alten Entwässerungsmaschinen eingesetzt. Laut den Quellen aus dem 16. Jahrhundert wurden in Tarnowskie Góry rund 600 bis 700 Pferde eingesetzt. Die Arbeit musste sowohl tags- als auch nachtsüber fortgesetzt werden, mit kleinen Pausen für den Wechsel der Pferde.

Wasserräder

Wussten Sie, dass die Künste nicht nur von Menschen, aber auch von Wasser angetrieben worden sind?

Laut Archivmaterialien wurde eine oder zwei Künste in den Schächten in Sowice (Stadtteil von Tarnowskie Góry) von Wasserrädern angetrieben, die das Wasser aus den niedrigeren Ebenen des Sankt-Jacobs-Stollen pumpten. Die Einrichtung verwandelte seine Drehungen in hin- und hergehende oder pendelartige Bewegungen von vielen miteinander verbundenen Stäben, die einige Dutzend Meter vom Schacht entfernt ein anderes Rad mit einer aufgewickelten Leine und einem Wasserrad bzw. vertikalen zylinderförmigen Presspumpen antrieb.

Tretmühlen

Wussten Sie, dass die Wendung „in der Tretmühle sein“ von der harten Arbeit der Pferde stammt?

Die Tretmühlen, an die die Pferde eingespannt waren, trieben entweder die Well- oder Wasserräder an. Ferner wurden sie auch in den Schächten installiert, um Wasser abzupumpen. Die Konstruktion bestand aus einem hölzernen, kegelartigen Bau, der teilweise oder ganz die Tretmühle mit dem Gespann verdeckte, sowie einer Konstruktion über dem Schacht. Eine Tretmühle konnte die Maschinen in mehreren miteinander benachbarten Schächten bedienen. Die Idee erwies sich als überaus effektiv, weswegen diese Lösung, die später perfektioniert wurde, auch noch Ende des 18. Jahrhundert angewandt wurde, auch als die Pferde von Dampfmaschinen ersetzt wurden.

XVIII

Die Industrielle Revolution

Dampfmaschinen

Wussten Sie, dass in Tarnowskie Góry die erste Dampfmaschine in Schlesien in Betrieb genommen wurde?

Die sog. Feuermaschine, denn so wurde dieses Wunder der damaligen Technik genannt, wurde nach Tarnowskie Góry aus England eingeführt. Die erste Dampfmischen in der Geschichte des Bergbauwesens in der Stadt begann ihre Arbeit am 19. Januar 1788. Sie wurde bei der Entwässerung der Abbauhohlräume der vier Jahre zuvor in Betrieb genommenen Friedrichsgrube, in der Silber und Blei gefördert wurden, verwendet. Die Maschine war nicht nur imstande, die von Pferden betriebenen Entwässerungsmechanismen zu unterstützen – sie war auch dreimal so günstig in der Instandhaltung.

Ingenieure des Stollens

Wussten Sie, dass der Bau der einstigen Stollen von Experten entworfen und beaufsichtigt wurde, die mit primitiven Werkzeugen arbeiteten?

Beim Entwurf eines Stollens haben die alten Vermesser sich relativ einfacher Messwerkzeuge bedient, wie bspw. einem Kompass, einem markierten Messstab, Messleinen, einem Lot oder einem Winkelmesser. Unabdinglich war vor allem die Kenntnis der Geometrie, Stereometrie sowie Geografie. Als Meßeinheit wurde der Lachter verwendet, der je nach Art rund 2 m entsprach.

Portal des Stollens

Wussten Sie, dass die Portale an den Mundlöchern des Stollens als architektonische Meisterwerke gelten?

Die Portale sind wahrhaftige Perlen der Architektur. So wundert es nicht, dass der großzügig ausgelegte Gotthelf-Stollen, dessen Mundloch sich in Strzybnica (heute Stadtteil von Tarnowskie Góry) befindet, auch mit einem verzierten Bauwerk vollendet werden musste. Obwohl das Portal bis heute nicht erhalten geblieben ist, können wir uns anhand der Notizen des Ideengebers, Friedrich von Reden, ein Bild von ihm machen. In einem seiner Briefe aus dem Jahre 1801 ist vor allem die Skizze interessant, in der der architektonische Stil des Bauwerks dargestellt wird. Der Stollen wurde 1806 erbaut.

Spenden für den Bau des Stollens

Wussten Sie, dass der Bau des Gotthelf-Stollen von den Einwohner der Stadt finanziert wurde?

Am 22. Juli 1652 wurde mit dem Bau des Gotthelf-Stollens beginnen. Der Stollen sollte den ausgedienten Jacobi-Stollen ersetzen. Anfangs wurde sehr intensiv gearbeitet, doch dann erwies sich, dass die finanziellen Mittel für die Beendigung nicht ausreichten. Die Einwohner hingegen waren nicht gewillt, für den Bau zu bezahlen, weswegen die Stadtverwaltung eine Gebühr per Gesetz anordnen musste. Das Unterfangen war aber dennoch keine gelungene Initiative, der Stollen selber wurde erst am Anfang des 19. Jahrhunderts anerkannt, als die damaligen Ingenieure seinen Standort zu schätzen wussten.

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