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Die Anfänge

Mit der Entdeckung reicher Silber- und Bleivorkommen Ende des 15. Jahrhunderts in der Nähe von Tarnowskie Góry begann die Zeit des Bergbaus. Die Stadt wurde 1526 gegründet als die damaligen Inhaber dieser Gebiete das Privileg der Bergfreiheit erließen, womit sie Bergleute dazu anregten, im Bergbau zu arbeiten. Zwei Jahre später wurde die für die damalige Zeit außergewöhnliche Bergordnung verabschiedet. Dieses Dokument diente als Arbeitskodex und regulierte den Betrieb des Bergwerks sowie die Höhe der Löhne und hatte die Entwicklung des Bergbauwesens in Schlesien zum Ziel. Im Gegenzug zu den Privilegien, die für Städte und Bergleute erlassen wurden, erhielten die Herzöge einen Teil der Einkünfte der Bergwerke. Das Bergbauwesen in der Region um Tarnowskie Góry blühte auf. Bei der Förderung der Edelmetalle mussten die Bergleute allen Naturgewalten trotzen. Die einfachen Fördermethoden brachten ein großes Risiko mit sich. Es kam zu Einbrüchen und Felsschlägen. Es fehlte an Sauerstoff und guter Beleuchtung. Die Schächte und Abbauhohlräume wurden stetig durch Wasser überflutet. Bei größeren Überflutungen musste die Arbeit unterbrochen werden.

Geologie

Das Wasser in den Abbauhohlräumen war immer eine unerwünschte Erscheinung. Schuld daran waren vor allem Regenschauer, Flüsse sowie stehendes Wasser oder Grundwasser. Grobkörniges und poröses Gestein lässt ganz einfach Wasser durch. Solch eine Struktur ist auch charakteristisch für die Dolomiten mit Erzvorkommen in der Region um Tarnowskie Góry. Bereits weniger Meter tiefe Schächte wurden überschwemmt, was eines der Hauptprobleme des Bergbauwesens in dieser Region darstellte.

Durch Tarnowskie Góry fließen zwei Flüsse, die Stoła und die Drama, die bereits bei geringen Schauern nicht imstande sind, das Wasser ins Erdinnere abzuführen. Grund hierfür sind die geographischen Gegebenheiten – das Gebiet ist relativ flach mit wenige Erhebungen, die einen maximalen Höhenunterschied von 50 m erreichen. Zusätzlich befindet sich diese geologische Mulde auf einem wasserundurchlässigen Untergrund aus Lehm und Kohle, womit ein riesiger, unterirdischer Wasserspeicher entstand, der das Grundwasser erhöht und damit die über ihm liegenden Bergwerke überflutete.

Entwässerungsmethoden

Anfangs wurden die Abbauräume mit den gleichen Methoden entwässert, wie beim Transport der Ausbeute. Statt eines Eimers wurde ein Ledersack, der sog. „bulg“, befestigt und nach oben befördert. Doch je tiefer die Metalle gefördert wurden, umso mehr Wasser gab es. Diese Situation führte dazu, dass effektivere und günstigere Entwässerungsmethoden vonnöten waren. Deswegen tauchten bereits im 16. Jahrhundert, zur Blütezeit des Bergbaus in Tarnowskie Góry, Ingenieure von verschiedenen einfallsreichen Maschinen und Geräten auf, die Wunder bewirken sollten. Zu den bekanntesten Maschinen aus dieser Zeit gehörten die Paternosteraufzüge. Später wurden auch Pumpen eingesetzt, die von Pferdegespannen angetrieben worden sind. Laut den Quellen aus dem 16. Jahrhundert wurden in Tarnowskie Góry rund 600 bis 700 Pferde eingesetzt, die ununterbrochen sowohl am Tage als auch nachts arbeiteten.

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Stollen In Tarnowskie Góry

Bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts war klar, dass die angewandten Lösungen zur Entwässerung ineffektiv waren, weswegen die Verwaltung der Bergwerke nach teureren Technologien suchte. Beim Bau der Stollen wurde das Wasser per Erdanziehung abgeführt. Die Stollen funktionierten als eine Art Sammelbecken, in denen das Wasser aus den Strecken und Abbauhohlräumen über den Vorkommen gesammelt wurde. Das Wasser wurde daraufhin mit einem Wasserlösungsstollen zu den Flüssen, die niedriger lagen, abgeführt. Die Maße eines jeden Stollens wurden von der Stollenordnung aus dem Jahre 1544 geregelt. Diese Ordnung sollte die bisherigen Gesetze zur Entwässerung regulieren und vereinheitlichen. Auf einem Gelände, wo es wenige Erhebungen gab, wurden künstliche Röschen errichtet, die bis zum Auslass des Stollens führten, um sich dort mit dem Flussspiegel anzugleichen und das Wasser abzuführen.

Während der ganzen zeit wurde auf dem gebiet zwischen Tarnowskie góry und bytom 13 Stollen gegraben.

Daniel-Stollen

Der erste Stollen, der von den Bergleuten angemeldet wurde, war 1547 der Daniel-Stollen, der auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils Repty Śląskie liegt. Die Informationen über diese Informationen sind nur teilweise erhalten geblieben. Wir wissen lediglich, dass die Bergleute aus diesem Stollen insgesamt vier Schächte im Bergamt anmeldeten.

Jacobi-Stollen

Der wichtigste Stollen im 16. Jahrhundert war der Jacobi-Stollen aus dem Jahre 1564. Der Bau des Stollens wurde vom Bergmeister Jakub Rapp aus Zgorzelec initiiert. Die Aufgabe dieses Stollens war die Entwässerung der Abbauräume im Stadtzentrum. Es war der längste, 4,7 km zählende, und wichtigste Stollen in Tarnowskie Góry des 16. und 17. Jahrhunderts. Sein Auslass befand sich in Sowice (heute Teil von Tarnowskie Góry). An dieser Stelle gelangte das Wasser in den Fluss Stoła.

Gottesgabe-Stollen

Ein weiterer Stollen, der in die Bergwerksbücher eingetragen wurde, war der Gottesgabe-Stollen im Jahre 1566, der in einigen Dokumenten als „kleiner Stollen hinter der Hütte von Herr Hornig“ bezeichnet wurde. Der Stollen befand sich in der Nähe von Sowice (heute eine Stadtteil von Tarnowskie Góry). Weitere Stollen, die sich im Register befanden, waren: „Im Namen des Herrn“ aus dem Jahre 1567 sowie „Gotthelf“ in Sowice aus dem Jahre 1568.

Krakauer Stollen

Im Jahre 1568 haben Bergleute aus Krakau und Olkusz den Bau eines neuen Stollens angemeldet. Der Stollen erhielt den Namen „Krakauer-Stollen“. Die Erbauer selbst schrieben: „Wir müssen diesen Stollen, der 2310 Lachter lang sein soll, durch einige gefährliche Abschnitte und dicke Felsen führen“. Der Bau des Stollens wurde aber nie beendet, womit er auch nie eine wichtigere Rolle im Bergbauwesen von Tarnowskie Góry gespielt hat.

Georg-Stollen

Um dem krisengeschüttelten Bergbauwesen in Bytom wieder auf die Beine zu helfen, haben die Einwohner beschlossen, den Georg-Stollen zu errichten. Der Bau begann am 1. Juni 1584. Für die Vermessungen des Projekts war der Bergmeister Jan Trapp verantwortlich. Der Stollen begann hinter dem damaligen Dorf Szombiergi und reichte bis Miechowice, Bobrowniki, Strzybnica und Szarlej.

Neuer Beuthener Stollen

Ein weiterer Stollen in Bytom war der Neue Beuthener Stollen, über den wir leider nur wissen, dass sein Bau 1603 in Angriff genommen wurde.

Gotthelf-Stollen

Am 22. Juli 1652 begann der Bau des Gotthelf-Stollens, der den verdienten und an vielen Stellen eingestürzten Sankt-Jakob-Stollen ersetzen sollte. Der Stollen konnte aber nicht das einhalten, was man sich versprochen hatte. Nachdem man 1665 m tief gegraben hatte, fand man keine Edelmetalle, weswegen das Vorhaben verworfen wurde. Im Jahre 1656 nahm man die Arbeit wieder auf, wenngleich auch hier nach 866 m wieder keine Edelmetalle gefunden wurden. In dieser Zeit wurde dem Stollen der Name „Gotthelf verliehen“. Aus politischen und ökonomischen Gründen begann der Bergbau in Tarnowskie Góry zu verkommen. Der Gotthelf-Stollen wurde aufgrund dessen viel später vollendet, womit er einen großen Beitrag bei der Rettung des Bergbaus in der Stadt beitrug.

Tarnowitzer-Stollen

Den letzten Stollen, über den Informationen von vor der Zeit der erneuten Inbetriebnahme des Bergbaus im Jahre 1784 erhalten geblieben sind, wollte der Obersteiger Scholle errichten. Scholle hatte vor, mithilfe der Bergleute den „Tiefen Erbstollen bei Tarnowskie Góry“ zu errichten, der in Tarnowice seinen Anfang nehmen sollte. Im Jahre 1769 begann zwar der Bau, aber aufgrund eines Unfalls (ein Mensch ist im Stollen ertrunken) wollte niemand mehr weiterarbeiten.

Kunst-Rösche-Stollen

Der Stollen, der wahrscheinlich ein Jahr später als die Friedrichsgrube erbaut wurde, hatte seinen Anfang im Abt-Schacht. Er entstand, da die Wasserkünste sich auf demselben Niveau oder gar niedriger befanden, als der Spiegel des Flusses Stoła. Damit das Wasser abfließen konnte, musste ein Stollen zu dem tiefer gelegenen Abschnitt des Flusses erbaut werden. Die Gesamtlänge des Stollens unter Tage betrug über 500 m. Es ist nicht bekannt, ob der Stollen mit Holzbrettern gefestigt oder doch aus Stein erbaut wurde. Das Wort „Rösche“ im Namen lässt vermuten, dass der Stollen an einer offenen Ausschachtung gegraben wurde, die später zugeschüttet wurde. Der Stollen wurde auf einem Plan aus den Jahren 1785-1792 entdeckt.

  • 1547 - Daniel-Stollen
  • 1563 - Jacobi-Stollen
  • 1566 - Gottesgabe-Stollen
  • 1567 – Im Namen des Herren-Stollen
  • 1568 - Gotthelf-Stollen
  • 1568 – Krakauer Stollen
  • 1584 - Georg-Stollen
  • 1603 – Neuer Beuthener Stollen
  • 1652 - Gotthelf-Stollen
  • 1769 – Tarnowitzer Stollen
  • 1785 - Kunst Rösche-Stollen
  • 1806 - Gotthelf-Stollen
  • 1834 – Tiefer Friedrichsstollen
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Gotthelf-stollen – Nördliches Entwässerungssystem

Im Jahre 1784 entstand die Friedrichsgrube. In den Schächten und Strecken fand man riesige Mengen Wasser vor. Die Bergleute beschlossen, dass ungeachtet der Tretmühlen sowie der Pläne, eine Dampfmaschine zu importieren, auch Wasserlösungsstollen zur Entwässerung angewandt werden sollten. Hierfür wurde der unvollendete Gotthelf-Stollen verwendet. Dieser Stollen gab auch den Anfang des gleichnamigen Stollens, einem der zwei Hauptelemente des Entwässerungssystems in der Friedrichgrube. Dieser Stollen war es, der als Systemstollen verwendet werden sollte, doch nachdem die Stollenrösche aufgeräumt wurde bemerkten die Arbeiter, dass eine Bohrung nur in weiteren 40 m möglich war. Die Stollenrösche wurde daraufhin für den Bau des neuen Gotthelf-Stollens verwendet. Die Arbeiten begannen im Jahre 1785. Im Stollen wurde 29 Schächte gebohrt, die Grubenbaue in den von ihnen ausgehenden Strecken wurden zueinander gerichtet. Nachdem die Arbeit beendet war, wurden die Schächte abgeworfen.

Der Gotthelf-Stollen stellt das nördliche Stollensystem dar (auch zentrales System genannt). Es handelt sich hierbei um ein anspruchsvolles Projekt, welches in den Jahren 1785-1807 realisiert wurde. Der Fortschritt der Bohrungen wird anhand der Daten sowie den erhaltenen Originalplänen ersichtlich. Ferner zeugen von diesem Projekt auch archäologische Funde sowie Tafeln mit Abschlussdaten, die an den Wänden des Stollens angebracht wurden, wenn ein Fragment abgeschlossen wurde. Das ganze Bergbaugelände der Friedrichsgrube in Tarnowskie Góry wurde in vier Reviere eingeteilt: Sucha Góra, Bobrownicki, Miejski sowie das Sztolniowy-Revier. Jedes Revier hatte einen unterirdischen Entwässerungsgraben.

Die Bergleute arbeiteten an den Gräben der Reviere parallel. Die Grubenbaue der benachbarten Schächte wurden so angeordnet, dass sie sich gegenüber standen, womit sie aufeinandertreffen sollten. Bei diesem riesigen Unterfangen wurden Maschinen des Typs Newcomen und Boulton&Watt verwendet, die von einem Schacht in den anderen transportiert wurden, je nach Arbeitsfortschritt. Die provisorischen und hölzernen Konstruktionen der Maschinen sind bis heute nicht erhalten geblieben. Das Wasser wurde in den Jahren 1802-1807 auf ca. 170 m Höhe gepumpt.

Laut Plan sollten alle Gräben das System mit dem Gotthelf-Stollen in einer Linie verbinden. Der Stollen wurde seit 1785 auf einer Höhe von 276 m zwischen Stoła und Strzybnica gebaut. Die Idee war es, den Wasserspiegel aus dem Reden-Graben zum Stollen um 5,86 m zu heben. Das Ziel wurde letztendlich im Jahre 1807 erreicht als der Wasserspiegel mit einer 60-Zoll-Pumpe auf dieser geringen Höhe gehalten wurde. Die Pumpen hatten eine Leistung von 22 Tsd. m³/Tag. Das für 100 Tsd. Taler gebaute zentrale Entwässerungssystem war über 30 Jahre in Betrieb, die Erträge aus dieser Investition wiederum waren beachtlich.

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Tiefer Friedrichsstollen - Südliches Dehydrierungssystem

Die weitere Entwicklung der Friedrichsgrube war möglich, nachdem die Vorkommen unter dem Entwässerungssystem erschlossen wurden. Ein neuer, tieferer Stollen musste aber gebaut werden, in dem das Wasser mithilfe der Schwerkraft abfließen könnte. Das beste Gelände hierfür war das Tal des Drama-Flusses, einem Zufluss der Kłodnica im Einzugsgebiet der Oder. Zielpunkt war der Schacht Adolf in der Friedrichsgrube mit einer Tiefe von 56 m. Der Stollen erhielt den Namen Tiefer Friedrichsstollen.

Aufgrund der geologischen Gegebenheiten beschloss man, einen Stollen in vier Etappen mit einer Gesamtlänge von 4570 m zu bauen. Das ganze Vorhaben sollte 15 Jahre lang dauern. Die Kosten wiederum wurden auf 231 Tsd. der damaligen Taler geschätzt.

Die Arbeit am Tiefen Friedrichsstollen begann im Jahre 1821 mit der Errichtung eines Grabens mit einer Länge von 888 m, der den Auslass des Stollens mit dem Fluss Drama verbinden sollte. Dank der hohen Messkunst wurde der Stollen an 14 Stellen gleichzeitig bis zum Aufeinandertreffen gegraben. Um die Grubenbaue zu belüften und zu entwässern wurden weitere 26 Schächte vertieft.

Um die Grubenbaue zu entwässern wurden zwei Dampfmaschinen verwendet, die auf den Maschinenschächten angebracht waren. Eine hatte einen Durchmesser von 20 Zoll, die andere 40 Zoll. Die Entfernung zwischen den Schächten betrug - je nach geologischen Gegebenheiten - zwischen 79 und 401 m. Durchschnittlich wurden jährlich 326 m der Strecke gegraben, bei der 100 Arbeiter am Werk waren. 10 Jahre lang wurden die Bergbauarbeiten vom Oberinspektor des Bergamtes Rudolf von Carnall beaufsichtigt.

Die Inbetriebnahme des Tiefen Friedrichsstollens hatte einen ganz besonders feierlichen Charakter und stand im Zusammenhang mit dem 50. Jubiläum der Friedrichsgrube. Am 15. November 1834 haben am frühen Morgen 28 Beamte aus dem Bergbau und Hüttenwesen, Obersteiger, Steiger und Bergleute sich am Auslass des Stollens versammelt. In Begleitung des Bergbau-Orchesters und Chors fuhren sie mit Booten über einen Teil des Stollens. Als Jubelruf wurden 40 Öffnungen geschossen. Nachdem die Gäste den Stollen durch den Schacht Adolf verlassen hatten, wurden Bergbauauszeichnungen bei einem gemeinsamen Frühstück mit Toasts verliehen. Ferner wurden 30 unqualifizierte Arbeiter in den Rang der Bergleute erhoben.

Die Inbetriebnahme des Tiefen Friedrichsstollens eröffnete in der Geschichte des Bergwerks eine neue Etappe. Um die Vorkommen zu sichten und den Stollen zu entwässern wurde sog. Grundstrecken errichtet. Ferner wurden Verbindungen zu den anderen Strecken des Bergwerks gebohrt. Diese Verbindung sollte bewirken, dass Wasser durch Schwerkraft aus dem Bergwerk geführt bzw. nur durch Dampfmaschinen gepumpt werden konnte. Dies brachte der Friedrichsgrube Ersparnisse von 7 Tsd. Taler jährlich. Das Entwässerungssystem, welches auf dem Tiefen Friedrichsstollen basierte, wurde bis 1880 ausgebaut.

Über die nächsten Jahre wurde der Stollen in südöstlicher und dann südlicher Richtung ausgebaut mit der Hoffnung, auf neue Vorkommen zu stoßen. Ziel war es, eine Schleife zu bauen. Verbunden werden sollte eine Flügelstrecke mit dem Schacht Adolf über den Heinitz-Graben bis zum Glücklich Hilfe-Schacht. Der Bau der zweiten Schleife, die mit der Hauptstrecke in der Nähe des Schachte Urban verbunden wurde, begann 1875. Beide Schächte wurden am 17. Dezember 1880 verbunden. Das zentrale Entwässerungssystem, an dem solange mit Mühe gearbeitet wurde, erreichte eine Gesamtlänge von knapp 15 km.

Der Tiefe Friedrichsstollen hatte neben der Entwässerung der Abbauräume auch noch eine andere wichtige Funktion. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Industrie südlich von Tarnowskie Góry gab es großen Wasserbedarf. Man beschloss daher für diesen Zweck einen großen Teil des Bergbauwassers zu verwenden, welches bislang in den Fluss Drama umgeleitet wurde. Im Jahre 1884 wurde im Schacht Adolf eine Wasserleitungsstation erbaut. In einer Tiefe von 56 m wurde darüber hinaus eine Dampfmaschine installiert, die das Wasser direkt in die Wasserleitungen pumpte und somit die ganze schlesische Agglomeration versorgte. In späterer Zeit wurde die Dampfmaschine mit einer elektrischen Maschine ersetzt. Die Station war bis 2001 in Betrieb.

Der Stollen wurde nach dem Ersten Weltkrieg durch die deutsch-polnische Grenze getrennt. Ein eigens hierfür aufgelegter internationaler Vertrag, der am 2. Dezember 1927 unterschrieben wurde, musste bzgl. des Bergwerks unterzeichnet werden, da das "Tor der Bergleute" sich bereits in Deutschland befand. Das Wasser floss aber weiterhin ungeachtet der Grenzverschiebungen und so ist es auch bis heute, wenngleich durch die Einstellung des Bergbaus der Komplex an Rang verloren hat. Doch dafür wurden ihm neue Werte beigemessen.

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Pflege des kulturerbes und tourismus

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gab es Bemühungen, die unterirdischen Korridore des Bergwerks zu schützen und sie für Besucher zu öffnen. Die Stadtverwaltung erwarb 1938 vom Staat die Bergbaufelder und es wurde das Schaubergwerk Król Bolesław Śmiały gegründet. Die damaligen Medien haben darüber sehr viel berichtet, was viele Menschen dazu bewegte, das Bergwerk zu besuchen. Es waren nicht nur individuelle Touristen, aber auch organisierte Gruppen aus weiter entfernten Regionen Polens.

Der Krieg setzte dem industriellen Tourismus aber ein rasches Ende. Nach dem Krieg wurde die Idee des Schaubergwerks aufgrund der politischen Veränderungen verworfen. Doch eine Gruppe engagierter Einwohner von Tarnowskie Góry, allen voran der Steiger Alfons Kopia, knüpften erneut an die Ideen von vor 1939 an. Die Idee eines Schaubergwerks und Besichtigungen lebte wieder auf. Diese Initiative wurde der 1953 gegründete Verein der Freunde der Geschichte und der Denkmäler des Landes um Tarnowskie Góry (später Verein der Freunde des Landes um Tarnowskie Góry).

In der ersten Etappe wurde der Schwarze Forelle-Stollen im Jahre 1957 für Besucher geöffnet, um Touristen so schnell wie nur möglich die Vorzüge der unterirdischen Welt zu zeigen. Der Stollen ist ein Fragment des damals in Europa längsten Stollens - dem Tiefen Friedrichsstollens.

Besucher können das 600 m lange Fragment zwischen den Schächten Ewa und Sylwester besichtigen. Der Name des Schachts stammt vom Namenstag, an dem der Schacht eröffnet wurde. Die gesamten Vorkehrungen, um den Komplex für Besucher zugänglich zu machen, dauerten knapp zwei Jahre. Am 15. September 1957, anlässlich der "Tage der Bergleute von Tarnowskie Góry" unternahmen die ersten Besucher die unterirdische Bootsfahrt.

Der für Besucher geöffnete Stollen wurde als erste Etappe angesehen. Es war eine temporäre Lösung bis das Bergwerk wieder aufgebaut werden würde. Man ging davon aus, dass der Stollen danach geschlossen werden würde. Das große Interesse an dem Objekt jedoch sowie seine originelle Architektur und die Bootsfahrt unter Karbidlampen bewirkten, dass der Stollen bis heute eine interessante und zauberhafte Sehenswürdigkeit ist. Die Bootsfahrt ist ein unvergessliches Erlebnis für Touristen, die in einer Tiefe von 30 m die unterirdische Weld von Tarnowskie Góry bestaunen können.

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